Pfingsttörn 2003

 

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Pfingsttörn 2003

Erstens kommt es anders - und zweitens als man denkt!

Juni 2003: Ein Trupp von Segelneulingen nennt sich Crew und macht sich auf den Weg, Abenteuer, neue Länder und traumhafte Sonnenuntergänge zu erleben. Und das ganze, damit man nicht zu träge wird, in nur vier ganzen Tagen. Es sind Gerüchte an unsere Ohren gedrungen, dass es lohnenswert sei, sich in dieser Zusammensetzung mal in der dänischen Südsee umzutun. Also gesagt, getan: Zuerst startet man mit einer Recherche im Internet.

Ergebnis: Haufenweise Links, manche sehr hilfreich, manche sehr anschaulich, aber durch die Beschränkung auf Fotos oft nicht wirklich aussagekräftig.

Super hilfreich waren für uns folgende Links (herzlichen Dank an die Autoren):
 
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Ostseetörn 2002 rund um Fyn
(Besonderen Dank an Christian für die wichtigen zugemailten Infos!)

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Törnbericht Op Joeck "Rund Als" Sommer 2002 (Armin Rohlfs) 

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Segeln auf der Ostsee (1995)

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Segeln am Limit 2002

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ReNZ - Yachting & Charter - Schleitörn

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Unser Törn nach Christiansø

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Dänemark: Inselparadies vor der Haustür

Weitere interessante Seiten, die wir gefunden haben sind:
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Informationsnetz Ostseeküste

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Segelklub Bayer Uerdingen e. V. 

Außerdem haben uns noch andere Segler geholfen, wichtige Informationen zu sammeln und sich besser vorzubereiten. Mein besonderer Dank geht an Lars Höke für seine Übersicht der Informationsquellen für Sturm- und Seewetterberichte (DWD).

Gut! Da uns die Informationen aus dem Internet noch nicht ausreichten und wir unsere Törnplanung auf anerkannt zuverlässige Informationen gründen wollen, ließen wir Google mal nach Literatur suchen. Und siehe da: Haufenweise Treffer. Mittlerweile hatten wir uns entschieden - in Anbetracht der kurzen Törndauer und der Einsteiger-Crew - die südwestliche Ostsee zu besuchen. Objekt der Begierde war dabei die Insel Aerø südlich von Fünen. Da wir nahezu alle auch noch nostalgische Erinnerungen unserer Jugendzeit an Arnis in der Schlei mit uns rum trugen schien uns die Route ziemlich klar (siehe Abbildung).

Das dumme war nur, das ausgerechnet für diesen Teil der Ostsee nur spärlich Literatur zu finden war. Da wir darüber hinaus flexibel bleiben wollten und im Falle eines Falles auch in die östliche Ostsee ausweichen würden, haben wir uns also gleich "quer Beet" eingedeckt (s. Literaturverweise am Ende). Als Ergebnis unseres Törns möchte ich gleich vorwegnehmen: Ein absolutes Muss ist der Revierführer Ostsee egal wohin wir wollten und auch in punkto Revier-Basisinformationen, Rechtswesen etc. haben wir immer alles gefunden, was wir gesucht haben. Alle weitere Literatur ist prima als Anregung für Törnvorschläge oder Insidertipps etc., sollte aber im Einzelfall geprüft werden. Wir wären jedenfalls mit einem Drittel der Bücher ausgekommen - und meine Reisetasche wäre erheblich leichter gewesen.

So sah unsere Planung aus:

Verteilt auf unsere Törntage sollte das Ganze so aussehen:
 
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Freitag Abend: Ankunft, einchecken, Sicherheitseinweisung und Übungsmanöver im oder vor dem Hafen.

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Samstag: Ein kleiner Hüpfer nach Orth und anschließend weiter zu Dänemarks südlichen Inseln. Je nach unserem Vorankommen wäre es dann Rudkøbing auf Langeland oder Marstal auf Aerø.

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Sonntag: Abstecher nach Aerøskøbing auf Aerø und danach um die Nordspitze. Idealerweise nach Faldsled, wenn wir das nicht schaffen, dann nach Søby.

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Montag: Auf und zurück in die deutschen Lande: In die Schlei, Fischessen in Maasholm und Übernachten in Kappeln - wie gesagt der Nostalgie wegen.

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Dienstag: In einem langen Schlag zurück nach Orth, wo wir zwei unserer Mannschaft schon von Bord lassen müssen.

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Mittwoch: Die restlichen drei vergnügen sich noch einmal ausgiebig "Rund Fehmarn" um abschließend in Burgtiefe festzumachen.

Soweit zur Theorie. Die Praxis hat uns dann eines besseren belehrt. Details siehe weiter unten. Die folgende Abbildung zeigt, was wir dann tatsächlich geschafft haben:


 

Die Crew

So, damit man im Folgenden jedoch weiß, von wem hier die Rede ist, zunächst eine Kurzvorstellung der Crew:
 

 Manni "Mammut" Janz - Dem Ingenör war nichts zu schwör.

Peter Gör-Punkt, Berufsschullehrer aus Wupper-T-Punkt, der anonym bleiben möchte, damit ihn seine Schüler(innen) nicht erkennen.

F(V)olker Flautenverwalter Simons - zuständig für Performance.

 

Felix - der einzige, der die optische Seemannsprüfung wirklich bestanden hätte.

 



Und als Skipper der Ralf "Schinderhannes" Somplatzki.



 

Die Planung hat uns noch ein wenig in Anspruch genommen. Im Rahmen von zwei Vorbereitungstreffen haben wir alle denkbaren Fragen durchgesprochen und die Vorbereitungsaufgaben verteilt:

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Verpflegung besorgen (Peter Gör-Punkt und F(V)olker)

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Bordkassenverwaltung (Felix)

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Info an alle: Für den Fall der Fälle etwas gegen "Schlechtigkeit" mitnehmen. Unser Insider-Tip "Vomex Zäpchen".

Dann noch ein wenig Fachsimpelei und der Austausch, "was man so gehört hat". Die Jahreszeit - also die Wetterwahrscheinlichkeit - scheint zumindest zu stimmen. Manni's Bruder - alter Ostseehase - sprach von einem Filetstück - na prima - wir freuen uns!

Erster Tag: Freitag, der 6 Juni 2003

Anreise


Noch sind alle gutgelaunt

Ankunft

Durch Stau viel zu spät. Herzlichen Dank nochmal an die Freunde, die meinten, der Umweg über Hannover würde helfen, die Staus auf der A1 zu umgehen. 7 1/2 Stunden Fahrzeit statt regulär 4 1/2. Da hat es statt abendlicher Einweisung und Übungsschlag nur noch zu einem nächtlichen Besuch im goldenen "M" gereicht.

Die geplante Sicherheitseinweisung und die Übungsmanöver verschieben wir auf morgen.

Zweiter Tag: Samstag, der 7. Juni 2003

Von Burgtiefe nach Marstal (nein - leider nur nach Orth).

Wir starten mit dem Durchgehen der Checkliste vom Vercharterer. Hat neben der unangenehmen Tatsache, dass wir noch nicht lossegeln können, den ungemeinen Vorteil, dass nun schon zwei weitere Leute genau wissen, wo alles zu finden ist. Einige Besonderheiten, wie zum Beispiel die Notpinne probieren wir auch noch zusätzlich "in Echt" aus.

Darauf folgt die obligatorische Sicherheitseinweisung. Jeder passt seinen Lifebelt an, bekommt eine Rettungsweste aus dem Schiffsfundus und erfährt allerlei über Feuerlöscher, Löschdecke, Signalraketen und so weiter. Damit ist noch mal eine knappe Stunde rum.

Gleich morgens per Funk: Ein Festsitzer ruft um Hilfe an der Hafeneinfahrt Burgtiefe/Burgstaaken.

Na, das sind ja schöne Neuigkeiten für den Beginn unseres Törns.

Gegen 12:30 geht es dann endlich doch noch los - und zwar echt schön los - bei herrlichem Wetter und 4Bft - ein echter Genießer-Trip. Marstal haben wir leider nicht geschafft. Dummerweise nahm der Wind ab und für die Strecke hätte es nicht gereicht, zumindest nicht, um im Tageslicht anzukommen. Dafür sind wir Städter einfach zu spät aus den Puschen gekommen. Was lernen wir daraus? Es ist kein Zufall, dass so viele Yachten den Hafen bereits verlassen hatten, als wir erst mal aufstanden ;-)

Nun gut, statt der langen Route haben wir die Zeit genutzt vor Orth mal den Blister auszuprobieren.

 
 
 

Schicke Sache das - damit erreichten wir Geschwindigkeiten auf Raumen Kursen, von denen wir vorher nur geträumt hatten. Und abschließend:

Orth! - der angesagte "Geheimtip" der Insel Fehmarn. Der sehr kleine, aber durch die Orther Bucht gut geschützte Hafen ist in jedem Fall einen Abstecher wert.

Hier gibt es für jeden Geschmack und Geldbeutel die passende Restauration: Von der Eisdiele über das Cafe Sorgenfrei bis hin zum Fischrestaurant Piratennest ist für jeden Hunger was dabei. Der richtige Ort(h) um gemütlich abzuhängen. Abgerundet wird die Sache durch die unglaublichen Fischbrötchen bei Bärbel: Da gibt es nichts - was es nicht gibt - auf dem Brötchen. So zum Beispiel auch das Flensburger Dunkel ;-)
 

Dritter Tag: Sonntag, der 8. Juni 2003

Flaute, Zäpfchen, Sturm und Rätselraten

Duschen in Orth - mindestens für Felix ein echtes unvergessliches Erlebnis, denn sein münzfressender Duschautomat schluckte zwar gerne Duschmarken, war aber nicht bereit über das Eincremen hinaus Wasser zu spendieren. So stand er da und musste seine Crewmitglieder motivieren weitere Duschmarken zu besorgen.

Von Orth nach Aeøskøbing: Ein Tag wie ein ganzer Törn: Angefangen mit herrlichstem Wetter. Zunächst geht es gut unter Genua los - dann haben wir den Blister rausgeholt. Kaum war das Tuch oben, erreichte Peter G-Punkt-aus-Wupper-T-Punkt. den Rekord mit 8,1 Kn (der Neid des Skippers war ihm gewiss). Der Spaß war leider nach ca. 1 Stunde vorbei, da der Wind zugenommen hatte und wir den Blister heil lassen wollten. Aber auch mit der Genua zog es uns prima nach Nordwesten.
Relativ ereignislos - einfach nur schön. Peter hat uns ein super Frühstück (Rührei mit Speck) gebruzzelt - dafür bekommt er den Heldenstatus, denn der einzige der danach nichts essen konnte war er selbst, weil ihn die Seekrankheit erwischte (zu lange unter Deck gewerkelt).

Nach dem reichhaltigen Frühstück war Abhängen angesagt. Wie die Faultiere haben sich alle an Deck verteilt und alle Viere von sich gestreckt. Bis zur "unheimlichen Begegnung der fetten Art": F(V)olker meint ganz trocken: Ooch der ist aber dick, den hab' ich gar nicht gesehen. Na prima, damit war klar, dass wir gerade den Kiel-Ostsee-Weg passiert hatten. Der dezente Hinweis darauf, dass man beim Kreuzen von Verkehrswegen doch schon mal vorher gucken sollte, hat sich hiermit wohl erübrigt. Was bleibt ist der anschauliche und vertiefende Eindruck, dass die dicken Pötte immer schneller sind als man meint.

Kaum hatten wir Marstal passiert, zog am südlichen Himmel eine verdächtige dunkle Front auf, die zudem auch noch die Frechheit besaß, nahezu in unsere Richtung zu ziehen. Na ja, jetzt waren es ja nur noch ca. 10 sm, dass würden wir ja wohl noch schaffen - zurück nach Marstal hatte jedenfalls auch nicht mehr viel Sinn. Vorsichtshalber haben wir schon mal Schlechtwetterkleidung und Sicherheitsgurte angelegt. Auf der halben Strecke nach Aerøskøbing war es dann soweit. Dunkelgrau bezogener Himmel, entferntes Donnergrollen und erste Regentropfen. Alles soweit nicht so schlimm, wenn nicht ausgerechnet hier der navigatorisch spannende Bereich begann: Da gibt es doch die eine oder andere Untiefentonne, die man tunlichst auf der richtigen Seite liegen lassen sollte. Das dann auch noch in Verbindung mit einer Fahrrinnenbreite von z. T. nur wenigen Metern war natürlich bei schlechter Sicht äußerst spannend.

Nach den ersten Gewitterböen hieß es dann: Segel runter, Motor an und mit angemessener Geschwindigkeit und 5 Augenpaaren aufmerksam Karte lesen und Tonnen suchen. Nachdem dann auch noch erste Blitze am Horizont zuckten ging schon das eine oder andere Stoßgebet zum Himmel. Außerdem wurden die Sekunden gezählt: Noch 1km entfernt, kommt es näher oder zieht es vorbei?

Das Ende vom Lied ist klar: Diesen Bericht gäbe es nicht, wenn nicht alles gut geklappt hätte. Kurz vor dem Hafen von Aerøskøbing prasselte dann auch noch ein regelrechter Hagelschauer runter, sozusagen als Tüpfelchen auf dem i. Die Ansteuerung wurde uns dann bei der schlechten Sicht durch eine Fähre erleichtert, die gerade den Hafen verließ und uns das Suchen nach Landmarken ersparte. Im Nachhinein war uns klar, dass wir nur auf den Kirchturm hätten zuhalten müssen.

Nachdem wir kaum festgemacht hatten, hat sich das miese Wetter auch verzogen und wir wurden durch einen Stadtbummel durch das verträumte Städtchen verwöhnt. "Legolandmäßig" ist sicherlich eine sehr zutreffende Beschreibung. Die Zeit wirkt hier wie eingefroren. Kleine eingeschossige Häuschen erinnern an ein kleines Fischerstädtchen, das heute sicherlich mehr aus dem Wassersport-Tourismus gewinnt als aus der Ostsee. Auf jeden Fall darf man den Beschreibungen in den Törnführern glauben und wird in der Praxis nicht enttäuscht.


Sonnenuntergang in Aeroeskoebing

Vierter Tag: Montag, 9. Juni 2003

Warten oder handeln?

Tolle Nacht (!) - der Wind hat ordentlich gerappelt. Das Wasser ist um einen Meter gefallen. Zum Glück waren die Festmacherleinen nicht allzu stramm, sonst hätten wir jetzt an den Klampen gehangen. Es nieselt - grauer Himmel. So viel zum Filet-Stück: Ziemlich sehnig. Gut - machen wir das Beste draus. Klüngelig aufstehen, rumbummeln, noch mal durch die Stadt gehen. Die Schattenseite des Ganzen: Kappeln (also die Schlei) können wir wohl streichen, das schaffen wir nicht mehr, da wir spätestens morgen abend wieder in Orth sein müssen um F(V)olker und Felix zu verabschieden.

Duschen, die zweite: Es gibt weit und breit keine Duschmarken, wenn dann nur im Automaten gegen Kronen - die haben wir Euroländer natürlich nicht. Der Hafenmeister hat wohl bei diesem Wetter auch keine Lust raus zu kommen. Vielleicht wäre es uns im Yachthafen nebenan besser ergangen, aber so sind wir nun mal: Wir wollen es lieber etwas ursprünglich.

Als Tipp kann man mitnehmen: Die Schlitze für die Duschmarken sehen genauso aus wie in Orth. Vielleicht passen die Marken, dann kann man sich vorher mit etwas Reserve eindecken.

Langsam lässt auch der Wind - zumindest in den Böen - nach. Sollen wir es vielleicht mal versuchen, zurückzukommen? Immerhin müssen die zwei ja morgen wieder auf Fehmarn sein, um nach Hause zu fahren. Dazu wäre es schön, wenn wir wenigstens in Marstal wären. Dann wird der Sprung über die Ostsee schon mal um ein paar Stunden kleiner. Also: Ablegen, raus fahren und testen - zurückkommen können wir immer noch.

Da haben wir wohl als Greenhörner unterschätzt, wie groß der Unterschied zwischen Hafenschutz, Landschutz und Windabdeckung im Vergleich zum freien Wasser ist. In der Bucht von Marstal war noch alles prima. Aber kaum draußen, schlagen die Wellen zu - nicht der Wind (immerhin hatten wir wohlweißlich das zweite Reff eingelegt und die Fock angeschlagen. Kurz und gut: Es war uns zu heftig und nachdem wir dann nachgelesen haben, dass 35 Knoten Wind der WS 7-8 entsprechen, war uns klar: Das ist nichts für uns.

OK - also weiter nach dem Motto: Mach einen schönen Hafentag daraus. Das heißt für den Skipper: Mach' uns den versprochenen Kaiserschmarrn.

Nach einem ausgedehnten und "nach mehr" schmeckendem Schmaus haben wir die Zeit genutzt das eine oder andere am Boot zu schrubben, den Sand und die Muscheln vom Pier zu fegen und einen Lappen zum "ordentlichen Betreten" der Yacht auszulegen. Langsam fiel uns aber nichts mehr ein.

Gleich nebenan lag ebenfalls eine Yacht deutscher Herkunft: Profi mit Begleitung. Was lag also näher als ihn nach seiner Einschätzung der Lage zu fragen. Sein Kommentar zum Seewetterbericht: "Hier hilft mir nicht, auf "Delta-Pappa-Null-Sieben" zu hören. Die Dänen haben einen durchaus zutreffenderen Wetterbericht". Ich frage ihn, wo er denn seine Wetterinformationen herbekommt (man kann ja schließlich immer dazulernen). Die Antwort war ein dezenter Hinweis auf eine weiße, zusätzliche Antenne im Topp: GPRS! "Ich schaue einfach im Internet nach". Tja, da haben wir wohl verloren. Kurz und gut, das Ergebnis der Befragung war: In den Böen zwei Windstärken weniger. Nach einem kurzen Austausch über die möglichen Routen stellen wir fest, dass beide dieselben Überlegungen angestellt haben, mit dem Ergebnis: Wir versuchen es noch mal nach Marstal.

Zweiter Versuch: Zunächst wird schon im Hafen das erste Reff eingelegt. Alle Crewmitglieder legen Sicherheitsgurte und Rettungswesten an und werden instruiert, sich bei allen Bewegungen an Deck (außerhalb der Plicht) einzupicken. Dann beginnt der Ritt mit Fock und gerefftem Groß runter nach Marstal - Spitze 9,3 Knoten: Damit ist der Skipper gegenüber Peter Gör-Punkt-aus-Wupper-T-Punkt wieder rehabilitiert.
Bei diesem Tempo war natürlich nichts mit Navigation durch den Skipper, darum haben sich unser Navi-Spezi's F(V)olker und Manni gekümmert.

Ankunft in Marstal: Der Wind lässt nach, dafür bekommen wir wieder feuchten Segen von oben. Im Hafen werden wir schon gewarnt: "Fahrt nicht zu weit durch, da hinten sitzen Sie auf Schiet". Das war schon daran zu erkennen, dass außerhalb der Fahrwassertonnen gar kein Wasser zu finden war, sondern der Schiet vom seitlichen Hafenbecken - hier hätte man sonst wohl einen Meter Wassertiefe zu erwarten. Schließlich wagen wir es nicht einmal zwischen den einzelnen Stegen hinein zu fahren sondern machen vor Kopf außerhalb einer Box und am Kopfe eines Steges fest.

So wie es uns ein nachbarliches Boot vormacht (der sitzt allerdings fest, so erfahren wir später. Dafür hat er aber auch zwei Meter Tiefgang und wir zum Glück nur 1,60).
Das Problem hängt allerdings mit dem gefallenen Wasserspiegel der Ostsee zusammen. Für den Normalfall wird es sicherlich genügen, den Hafenplan aufmerksam zu studieren, denn mindestens der erste Steg erfreut sich grundsätzlich einer geringeren Wassertiefe, also genau anders als man es erwarten würde.

Direkt neben uns liegt eine nette Seglerin von der Schlei mit einem absolut coolen Edelschiff. Ausgerechnet hier und unter Beobachtung schlägt unser Anlegemanöver fehl - peinlich. Aber zum Glück das einzige Mal. Nachdem Sie uns beim Anlegemanöver geholfen hat, kommen wir ein wenig in's Gespräch. Sie fragt uns, wann wir denn morgen loswollen, sie möchte seitlich aus der Box raus und dazu müssten wir uns kurz verholen. Wir: "Gar kein Thema da können wir uns gerne abstimmen, da wir uns nach dem Wetter richten wollen". Ist für sie auch OK, also klären wir das ganze morgen früh. Abschließend muss Peter noch seine Fähigkeiten als Lassowerfer beweisen. Da unsere Nachbarin darauf hinwies, dass der Wetterbericht immer noch Sturm angesagt hatte, wollten wir unbedingt zwei Springleinen legen.

Nachdem dann alles klariert ist, machen wir uns auf den Weg Marstal kennen zu lernen. Mit einem ganz eindeutigen Ziel: Abschlussfuttern - "Käpt'ns Dinner" in einem dänischen Restaurant - Fisch vom feinsten. Übrigens finden wir Marstal noch weitaus interessanter als Aerøskøbing - nicht so malerisch sondern realer, trotzdem irgendwie niedlich. Vor dem Schlafengehen entscheiden wir uns, den nächsten Tag zur Abwechslung mal ruhig zu beginnen. Da wir sowieso nicht wissen, ob uns der Trog noch erwischt, gehen wir von langem Ausschlafen und gemütlichem Brunchen aus. Der Tag soll uns dann zeigen, wann die optimale Zeit ist, abzulegen.

Fünfter Tag: Dienstag, 10. Juni 2003

Die Heimat ruft

5:00 - Der Skipper wacht auf - und das bei seinem Bärenschlaf. Ursache: Leise aber ungewohnte Bewegung. Was denn? Die Kollegin von der Schlei macht sich auf den Weg. Sollten wir das vielleicht auch besser tun? Ein Blick nach oben: Kein Wölkchen - knallblauer Morgenhimmel. Ein Blick nach unten: Kein Wellchen - Flaute. Nichts da, der Skipper legt sich wieder hin.

6:00: Kann nicht schlafen: Noch mal aufstehen. Es kommt Wind auf. Im Abstand von je 5 Minuten verlassen drei Schiffe den Hafen. Vielleicht sollten wir uns doch lieber auf den Weg machen. Mist - ausgerechnet heute, wo wir gestern Abend gesagt haben, wir schlafen aus. Soll ich vielleicht losfahren , ohne die Jungs zu wecken? Nee, das wäre zu gemein, der eine oder andere will vielleicht doch noch zur Dusche. Ich entscheide mich für den brutalen Weg: Ab unter Deck und laut und deutlich: "Leute, es tut mir leid, ich weiß noch nicht mal, ob das jetzt die richtige Entscheidung ist, aber wir brechen auf." Und die Jungs sind spitze, in ca. 20 Minuten waren alle fertig. Um 6:30 Motor an, kurz darauf Leinen los und raus. Um 6:50 haben wir schon die Segel gesetzt und: Das Filetstück ist wieder da!

Ein 1a-Schlag. Himmel, Wetter, Wind, alles stimmt. Nach zwei Tagen von Stress, Unbequemlichkeit und Spannung können wir richtig entspannen. Dazu gibt es natürlich nicht so viel zu erzählen - es ist schließlich nicht viel passiert. Nur haben wir diesmal am Kiel-Ostsee-Weg besser aufgepasst.

Abends haben wir in Orth festgemacht - dort haben die zwei (F(V)olker und Felix) das Auto abgestellt. Peter macht zum Abschluss noch seine versprochenen genialen Bratkartoffeln. Und dann beginnt der Abschied auf Raten: 40% der Crew müssen weg.

So, nun nur noch zu dritt, machen wir das beste aus dem Abend. Gemütlich aufräumen und dann den Hafen begutachten. Als Highlight läuft noch der Rettungskreuzer "Bremen" ein und sorgt wir gesteigerte Aufmerksamkeit. Was der allerdings in einem Hafen will, in dem er noch nicht einmal optimal wenden kann, bleibt unklar. Vielleicht sind es Bärbels geniale Fischbrötchen, die ihn locken? Wir machen derweil im Eiscafé am Hafen fest: Ebenfalls ein Geheimtipp: Schmeckt das denn hier überall so super oder liegt es nur an der entspannenden Atmosphäre. Leider bleibt uns nicht die Zeit, diese Frage umfassend zu beantworten - aber dazu kommen wir gerne wieder.

Langsam ist es dunkel geworden und Manni Mammut macht sich sorgen, ob er wohl einschlafen kann. Da wir ziemlich weit vorne im Hafen liegen, trifft uns der Wind recht ungeschützt und es schaukelt ordentlich. Geschlafen haben wir dann aber wie in Abrahams Schoß: Auch Manni wundert sich am nächsten morgen, wie man dabei so gut schlafen kann.

Sechster Tag: Mittwoch, 11. Juni 2003

Endgültig aus und vorbei

Zu dritt frühstücken wir in der Plicht. Super entspannt. Zwar windig aber warm. Im Sonnenschein "auf der Terrasse". Gemütlich wollen wir bei den anliegenden 4-5 Bft. zurück nach Burgtiefe. Der Wind nimmt langsam zu. Das Wetter bleibt herrlich, beinahe lassen wir uns verlocken noch ein paar ausführliche Schläge durch die Lübecker Bucht zu machen. Aber getreu dem Motto "Aufhören wenn's am schönsten ist" lassen wir es bleiben.

Unter Genua und Groß laufen wir in das Fahrwasser von Burgtiefe/Burgstaaken ein und bergen dann die Segel - der Wind ist einfach schon zu stark um hier noch sicher unter Segel manövrieren zu können.

 

In Burgtiefe müssen wir noch tanken und Klar Schiff machen. Während dessen geht der Wind bis auf 8! Was für ein Glück, dass wir die Lübecker Bucht gestrichen haben. Einfach nur perfektes Timing. Da können wir nichts dafür - Gutes "Oberes Management". Wir machen Schluss und danken unserem Schöpfer für diesen "Königskinder"-Törn.

Bonusmaterial

Wie es wirklich war ...

... eine - nur minimal - übertriebene Darstellung unseres Törns von einem unerkannt bleiben wollenden Poeten.
Zum Lesen einfach auf die Jolle klicken:

Schnappschüsse

Auch wenn die folgenden Bilder keinen dokumentarischen Sinn mehr ergeben, sind sie doch zu schön, um sie weg zu lassen - oder sind es vielleicht die Wortspiele, die so schön sind?

1. Ein echter Angeber: ein "aufgeblasener Sack" ;-)

2. Bei uns hieß es nicht "Manipuliert das Schiff" sondern "Manni poliert das Schiff":

3. Männerwirtschaft:

Bildschirmhintergründe

Ein paar Bilder der Fehmarn-Sund-Brücke waren so schön, dass ich sie passend für den Einsatz als Bildschirmhintergründe formatiert habe. Wer will kann Sie sich ja herunterladen: Einfach auf das Objekt der Begierde klicken und speichern!

           

Literaturhinweise

Für alle, die auf der Suche nach geeigneter Literatur sind, führe ich auf, was wir uns zur Törnvorbereitung angesehen haben. Bitte dabei nicht vergessen, dass meine Einschätzung sehr subjektiv ist. Vielleicht findet Ihr andere Bücher hilfreicher. Notwendig scheint mir jedoch der Revierführer Ostsee und mindestens ein Hafenhandbuch. Unter den unten angegebenen Hafenhandbüchern haben mir dabei die DSV-Hafenhandbücher und die N.V.-Hafenlotsen am besten gefallen. Erstaunlicher Weise gab es allerdings gelegentlich widersprüchliche Angaben, so dass wir uns die Frage gestellt haben, welche denn nun die richtigen sind. Mein Tipp fällt dabei auf die DSV-Bücher. Die N.V.-Werke haben dagegen häufiger ausführlichere Navigationshinweise für die Ansteuerung.

Revierführer Ostsee
Meiner Erfahrung nach das "Muss" für das Revier. Neben den obligatorischen Hinweisen zu den einzelnen Gebieten/Häfen enthält das Buch ausführliche, einweisende Informationen zum Revier und zu teilen des Reviers. Dabei kommt Wetter, rechtliche Lage sowie Navigation nicht zu kurz. Wichtig: Ein passendes Hafenhandbuch wird dadurch jedoch nicht überflüssig!
(Busse Seewald/DSV-Verlag, ISBN 3-88412-262-2)

Törnführer Dänemark 2
(Jan Werner, Delius Klasing, ISBN 3-7688-0393-7)
Jan Werner hat acht ausführliche Törnvorschläge ausgearbeitet. Wer sich danach richten möchte ist mit diesem Band sehr gut beraten. Wer generell eine Übersicht über Revier und Häfen haben will, sollte lieber zu Hafenhandbüchern greifen.

Hafenführer Dänemark 1
(Edition Maritim, ISBN 3-89225-384-6)
Ein, aus dem dänischen übersetzter, Hafenführer. In den insgesamt sieben Bänden sollen alle dänischen Häfen aufgeführt werden. Sicherlich sehr aktuell, aber knapp beschrieben.

 Küstenhandbuch Mecklenburg-Vorpommern
(Michael Brandenburg, Edition Maritim, ISBN 3-89225-236-X)
Vorsorglich - für den Fall, dass der Wind nur aus West bläst, haben wir uns dieses Buch noch geholt. Die Revierführer von Edition Maritim haben mir schon für das Ijsselmeer super gefallen. Leider gab es keinen für die südwestliche Ostssee.

Hafenhandbuch Ostsee Band I
(DSV-Verlag, ISBN-3-88412-358-0)
Der Klassiker unter den Hafenhandbüchern. Durch farbige Luftaufnahmen der Häfen, sowie ausführliche Beschreibungen sehr hilfreich. Kann außerdem durch die Eigenschaft als Loseblattsammlung optimal aktualisiert werden. Leider bewahrheitet sich hier das Sprichwort: Qualität hat ihren Preis.

Rund Fünen mit der Yacht
(T. Stütz und J. Meyer, DSV-Verlag, ISBN 3-88412-212-6)
Ein Törn- und Hafenführer für die Törnplanung rund Fünen. Leider mit der der Ausgabe von 1994 nicht mehr das jüngste Mitglied dieser Sammlung. Aber zur Anregung und Phantasiebildung sehr nützlich. Zudem im Verhältnis zu allen anderen Werken unschlagbar im Preis: Unter 10 Euro!

 

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Stand: 16.11.05