Oktober 2004: Absegeln

 

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Oktobertörn 2004
Alles hat ein Ende ...

Bevor die Omega in den Winterschlaf geht wollen wir noch einmal die Ostsee besegeln. Von Fehmarn aus wollen wir endlich unseren Wunsch umsetzen und gen Westen, sprich Schleswig-Holsteinische Küste segeln. Aber wieder einmal müssen wir lernen: Der bestimmende Faktor beim Seglen ist mehr der Wind, denn unsere Wünsche. Warum soll es unserer neuen Crew auch besser gehen als der Truppe vor drei Wochen (s. auch "Septembertörn 2004: Statt Arnis nach Osten".

Wo wir doch gerade bei der Crew sind, gleich mal ein paar bildhafte Worte zu uns:

Die Crew:


Ralf, der "See-Hund"

Elmar "der ganz Harte"

Klaus-Georg, "das Hirn"

Und der Skipper Ralf

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Erster Tag (Freitag, 15.10.2004)
Anfahrt und in die Kojen.
 

Für den Beginn des Törns haben wir uns dazu entschieden, am Vorabend anzureisen. Erstens fliest der Verkehr abends schneller (wichtig zu Beginn der Herbstferien!) und zweitens können wir dann ausgeschlafen den ersten Tag gelassen für die Sicherheit und Manöverübungen verwenden:
 
bullet17:30 - Treffen in Essen, packen und losfahren
bulletca. 19:00 - Unterwegs herrliche vorproduzierte Brötchen von unserem Smutje Ralf G. verzehrt
bulletca. 22:45 - Wir passieren die Fehmarnsundbrücke - Dieses Mal noch "von oben". Schade, dass es so spät ist, denn von der Pracht des Bauwerkes sehen wir nichts mehr.
bulletca. 23:00 - Ankunft in Burgtiefe. Der Hafen ist schon ziemlich leer - der Großteil der Yachten ist bereits im oder auf dem Weg in's Winterlager.
bulletWir packen unsere "Mitbringsel" auf die Yacht.
bullet23:30 - Erste Einweisung der Crew in das Schiff, Verteilung der Kojen und auspacken der persönlichen Habseligkeiten.
bulletca. 1:00 - Abschließender Besuch in der Karibik-Bar. Leider ist die abendliche Life-Musik schon vorbei. Da wollte ich die neuen Crewmitglieder mal mit ein wenig "Lokal-Colorit" beeindrucken aber außer Fassbier und "Kai Pyranja" war nichts mehr zu holen.

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Zweiter Tag (Samstag, 16.10.2004)
Üben und rauschen - auf nach Orth und Heiligenhafen
 

Ralf outet sich gleich am ersten Tag als unser Frühaufsteher.

Während wir noch alle mehr oder weniger gemütlich in unseren kuscheligen Schlafsäcken von links nach rechts und wieder zurück rollen, macht er sich auf die Suche nach der Brötchenbeschaffungsstelle - in Burgtiefe ist diese im kleinen Laden unmittelbar neben dem Hafenmeister zu finden.

Nachdem er uns dann zu allem Überfluss auch noch den Geruch frisch aufgebrühten Kaffees in die Nase steigen lässt ist der Widerstand gebrochen: Wir stehen auf, machen uns frisch und frühstücken. Die Reihenfolge des Aufstehens der Nachzügler wird in den nächsten Tagen etwas variieren - gleich bleibt aber die unbeständige Energie von unserem Ralf.


Nach dem Frühstück wird die Arbeit geteilt: Klaus-Georg (im folgenden schlicht und einfach Klaus genannt) und Elmar kümmern sich um die Backschaft, Ralf verdrückt sich in die Navi-ecke und guckt nach dem Wetter:


 

Bevor es dann richtig los geht, heißt es erst einmal sich mit dem Schiff vertraut machen. Der Weg dazu - habe ich mittlerweile gelernt - ist es, die Checkliste der Vercharterers durchzugehen.

So machen sich also die drei Mitsegler auf den Weg (ich kenne die Omega schon in- und auswendig) und suchen nach Dingen, deren Namen sie noch nie gehört haben. Wie zum Beispiel: Ankerball, Notpinne oder Bootsmannstuhl.

Neben dem Effekt, dass wir dann wissen ob alles an Bord ist, weiß nun auch jeder, wo die Dinge zu finden sind und was die - teilweise befremdlichen - Namen bedeuten.

Anschließend folgt noch eine detaillierte Sicherheitseinweisung - was tut man wenn ... und eine Verteilung der Sicherheitsrollen, wer tut was? Somit sind wir gewappnet, wenn eine unangenehme Überraschung eintrifft.

Jetzt kann's aber endlich losgehen. Wir machen uns für einen Übungsschlag auf den Weg in die Ostsee - damit wir auch was zu sehen bekommen soll es nach Orth gehen. Dort wollen wir Bärbels berühmte Fischbrötchen essen und anschließend rüber zum Festland, nach Heiligenhafen.

Während des kurzen Weges legen wir schonmal fest, wer an Boot der Chef ist und wer zu seinen Füßen zu liegen hat - oder war es anders herum? Wer was tun muss und wer genießen darf?

Unser Weg führt uns unter der, immer wieder, sehenswerten Fehmarnsundbrücke her. Die Verbindung zwischen Festland und Fehmern und gleichzeitig ein Teil der "Vogelfluglinie", der Straßen- und Fährverbindung zwischen Deutschland und Dänemark.

Wer vom Festland über diese Brücke nach Fehmarn fährt, sollte nach ca. 20 Minuten spätestens anhalten. Sonst fällt man auf der anderen Seite der Insel wieder in's Wasser. Hier halten die Fähren, die ebenfalls in einer guten halben Stunde Dänemark erreichen. Fähren sind jedoch nichts für uns, darum haben wir ja auch eine Segelyacht gechartert ;-).

Hat man die Brücke passiert, sind es nur noch wenige Meilen bis zur Orther Buch. Die tunlichst nicht einfach diagonal passiert werden sollte. Wer sich gewissenhaft mit der Karte auseinander gesetzt hat, sieht sehr schnell dass es eine weile nach Westen und dann steuerbord ab noch Norden gehen muss um nicht auf Untiefen zu fahren.

Auch die Hafeneinfahrt hat es in sich, denn die gebaggerte Rinne ist sehr schmal und darf nicht verlassen werden. Zum einen wegen der Untiefen zum anderen legen die Fischer hier ihre Netze tatsächlich bis an die Fahrrinne aus. Was ich mir besonders bei der Ansteuerung in Dunkelheit als sehr problematisch vorstelle. Die Tonnen sind nicht befeuert und nur ein Richtfeuer mit einem extrem kleinen Winkel führt den Skipper in den Hafen.

Orth ist ein uriger, kleiner Hafen. Obwohl er so klein und bescheiden wirkt zeugen die verbliebenen Eisenbahnschienen im Asphalt und zwischen Kopfsteinpflaster davon, dass hier früher einiges an Waren (Fisch und Getreide) umgeschlagen wurden. Heute sollte man den kleinen Ort auch nicht unterschätzen. Denn die zenztral aufgestellten Wegweise machen deutlich, dass wir uns gerade im Zentrum der Welt befinden, um nicht gleich Metropole zu sagen:

Kaum haben wir festgemacht,
inspiziert Elmar erst einmal die Gegend.


Bevor wir uns auf den Weg zur Fischbude machen, genauer gesagt zum Fischkutter, suchen wir erst einmal unsere Siebensachen zusammen. Elmar: "Wo ist denn wohl mein Portemonait"?

  
In der Backskiste vielleicht?

"Bärbel" ist nicht mehr "Bärbel"! Der Fischkutter hat den Besitzer (oder Pächter?) gewechselt. Dafür gibt es jetzt neben frischem Fisch auch noch Brathering. Wir nutzen die Gelegenheit, um mal die Karte "rauf und runter" zu probieren. Ergebnis: Auch wenn Bärbels Brötchen unschlagbar waren, kommen wir gewiss beim nächsten Mal wieder.

Nach dieser entspannenden Pause machen wir uns wieder auf den Weg. Von unserem nächsten Ziel, Heiligenhafen, trennt uns nur noch einmal ein Schlag gleicher Größe - also wieder ca. 2 Stunden. Die Sonne, die dank des Herbstes relativ früh die Dämmerung einleitet färbt den Himmel rosa, der Wind legt sich zum Glück noch nicht schlafen. So können wir gemütlich aber zielstrebig die Überfahrt in Angriff nehmen.

 

 

 

 

In Heiligenhafen sind wir dann noch früh genug, um uns ein wenig umzusehen und die Orientierung für die morgendliche Navigation zur ortsansässigen Bäckerei zu planen. Anschließend gönnen wir uns einen gemütlichen Abend an Bord.

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Dritter Tag (Sonntag, 17.10.2004)
Zwangspause
 

Chronik eines Sturmtages
 
07:40
noch ist alles unscharf ...

... nur unser Frühaufsteher Ralf peilt die Lage

 

07:55
Lebensspende
12:41
Ein wenig abhängen ...
2 Stunden Üben bei noch mehr Wind (deshalb auch keine Bilder!)
14:17
Noch mehr abhängen
15:20
Wieder abhängen (im Café in H'hafen)
16:31
Noch mal abhängen (Wir basteln uns ein Handy)
16:32
Ganz doll abhängen (Selbst der Adenauer hängt ab)
19:49
Genug gehängt: Jetzt wird klar Schiff gemacht
19:50
Bald ist's geschafft
Bleibt nur zu hoffen, dass es morgen besser ist.

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Vierter Tag (Montag, 18.10.2004)
Der Tag der Entscheidung.

Auch heute bläst der Wind noch immer ziemlich heftig - und auch immer noch aus der falschen Richtung.

Jetzt sind wir aber das Warten leid und machen uns auf den Weg. Aber: Ich will nicht wieder nach Wismar! (Denn da war ich jetzt schon eins, zwei, drei mal).

Was also tun? Nach Westen können wir nicht (und nur mit Müh' und Not) nach Osten wollen wir nicht.


Also machen wir es erstens anders und zweitens als man denkt: Direkt nach Süden! Erkundigen wir halt die Neustädter Bucht. Erster Stopp auf dieser Strecke soll Grömitz sein. Anschließend wollen wir Neustadt und Travemünde besuchen - sofern das Wetter es erlaubt.

Die Bilder zeigen: es ist eine kernige Überfahrt. Der Wind hat jedoch soweit nachgelassen, dass wir es gut angehen können. Außerdem haben wir bei dem Westwind und unserem Kurs die Landabdeckung für uns. Neben etwas weniger Wind bedeutet das insbesondere auch weniger Welle.

Am späten Nachmittag machen wir in Grömitz fest. Ein Blick in die Navi-Ecke zeigt uns deutlich: Wir waren unterwegs.


Anschließend machen wir uns auf den Weg zur Ortsbesichtigung. Da gibt es natürlich zu dieser Jahreszeit schon weniger verlockendes zu sehen. Grömitz ist ein Badeort und wer riskiert das schon im Oktober?

Dementsprechend sind auch die Strandbereiche leer gefegt.

Auch die Strandpromenade bietet genügend Raum zum "promenieren". Hier drängt man sich nicht mehr. Wer jedoch nicht gerade die 28 Grad im Schatten braucht - vielleicht sogar eher ein etwas keringeres Klima bevorzugt - kann gerade jetzt den

Herbstabend geniessen: Eine Steife Brise, Rauschen der Brandung, ein spielender Hund am Strand und tatsächlich ein gefüllter Strandkorb - jetzt fehlt nur noch das friesisch herbe Jever;-)

Und eigentlich sind wir selbst von den Temperaturen völlig begeistert. Denn wer hätte hier Ende Oktober noch mit 9 Grad gerechnet? Tagsüber hatten wir sogar deutlich über zehn!

Gut, man muss deshalb ja nicht gleich leichtsinnig werden und sich ein Eis auf die Faust nehmen. Obwohl es anscheinend genug Leute hier gibt, die sich dazu noch erweichen lassen. Oder verkäuft der Besitzer der Eisdiele unter Hand etwas steifen Grog?

 


Die Seebrücke von Grömitz macht in der Dämmerung ein gutes Bild. Der Wind ebt langsam ab, und der Abend nähert sich dem Punkt an dem wir sagen - oder sind es unsere Bäuche?:  Jetzt wird es Zeit!

Auf dem Weg vom Yachthafen zur Ortsmitte haben wir die eingängigen Möglichkeiten zur Verköstigung in's Auge gefasst. Letztendlich fällt unsere Wahl auf "Den Klabautermann" - direkt an der Strandpromenade. Denn heute soll es Fisch sein und die ausgehängte Speisekarte verspricht Verlockendes.


Ob diese beiden den Abendschmaus allerdings nach dem langen Tag noch genießen werden ist erst einmal fraglich.

Die geneigte Leserschaft sei versichert: Sie haben es genossen. Die Gerichte waren ausgezeichnet, das Preis-Leistungsverhältnis hat gestimmt - und das in der sonst so Euro-Geschädigten Gastronomiewelt. Also: Alles gut und wir machen uns ab in die Koje.

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Fünfter Tag (Dienstag, 19.10.2004)
Neustädter Bucht, wir kommen.
 

Heute soll es weitergehen: Die Neustädter Bucht ist unser Ziel. Doch zuvor heißt es mal ein wenig Klar Schiff machen. Da sieht man sogar den Skipper mal Hand anlegen ;-)

Derweil geht im Jachthafen Grömitz regelrecht "die Sonne auf". Das Licht der tollen Morgensonne auf den Najads, gleich nebenan lässt uns träumen und süchteln. Uns darf halt die "Omega" genügen.


Nach einem wie immer perfekten Frühstück machen wir uns dann an die Törnplanung. Dieses Mal sind die Jungs gefordert. Ziel ist bekannt, also wie kommen wir dahin? Karte gelesen, Entfernungen abgesteckt, Hafanhandbuch gelesen - alles klar. Leinen los!
 

Auch heute spielt das Wetter wieder perfekt mit. Genug Wind und bewölkter, aber auch blauer Himmel. Was will das Seglerherz mehr - im Oktober?

Auich nach dem Kartenlesen sind "die "Männer" gefordert: Jetzt heißt es, die Küste im Auge behalten, Landmarken und Kompass beachten. Zwischendurch mal eine Ortsbestimmung und die Abschätzung wie lange es wohl noch dauert.

Die Orientierung ist einfach - was uns allerdings langsam verlässt, ist der Wind.

Also machen wir aus der Not eine Tugend: Üben wir noch ein Manöver, das bisher noch nicht vorgekommen ist: "Beidrehen und Beiliegen". Auf diese Weise kommen wir sogar zu einer 1a-Mittagspause. Im prallen Sonnenschein liegen wir gemütlich in der Plicht, Ralf kocht uns eine heiße Brühe und wir genießen den phantastischen Oktobertag:
 


 

Nach einem ausgiebigen Faulenzerpäuschen machen wir uns wieder auf den Weg Richtung Neustadt.

 

 

 

Zum Nachmittag hin fahren wir in die Lübecker Bucht ein (passieren die Huk Pelzerhaken). Dann läßt der Wind entgültig nach. Mit 2 Knoten dümpeln wir mehr schlecht als recht Richtung Neustadt. Aber in unserer relaxten Stimmung haben wir keine Lust, die Maschine einzuschalten.

Erst am Ende der "Kreuzfahrt", als es schon auf die Ansteuerungstonne für das Neustädter Fahrwasser zugeht, halten wir es nicht mehr aus: Maschine ein, bevor es dunkel wird wollen wir ja noch festgemacht haben.

Das folgende Bild zeigt die Küstenlage vor der Einmündung nach Neustadt: Links der große Hafen Ancora mit der Kunya-Werft dahinter und den Anlagen des Bundesgrenzschutzes. Rechts ist im Hintergrund ist der Kirchturm zu erkennen, davor deutet sich die Hafenbegrenzung des Vereinshafens an. Wer in die Stadt will, muss hoffen, im rechten Becken einen Platz zu finden - genau das werden wir versuchen.

Die Krönung bei dieser Ansteuerung bildet das Empfangskommitee: Zuerst kommt uns die Dreimastbark "Lili Marlen" entgegen (ein Schulschiff der hiesigen Marine?). Ralf hat mir erzählt, dass hier wohl ein Stützpunkt ist, an dem auch Sportsegler noch was dazu lernen können. Unter anderem soll hier wohl ein umfassendes Survivaltraining angeboten werden. Das wollen wir uns im nächsten Jahr mal gönnen.

 

 

Der Bark folgt das nächste Willkommenskommando: Leuchtraketen steigen auf. Weiter unten am Ufer, erkennen wir auch den "Schießstand": Einige Männer in Offshore-Kleidung stehen auf einem Steg und schießen aus Signalpistolen.

                     


Das schönste Begrüßungskommando beim Anlegen ist allerdings das herrliche Wolkenbild:

Vor uns öffnet sich die Bucht zum kleinen, langgestreckten und beschaulichen Hafengewässer.

 

 

Ein kleines Fischerboot kommt uns entgegen und wir suchen uns derweil schon mal einen Platz zum festmachen. Gleich nach der Hafeneinfahrt an Steuerboot legen wir erst einmal längsseits an.

 

Nachdem wir uns beim Hafenmeister angemeldet haben wird überlegt ob es Sinn macht, noch einen Fußmarsch in die Stadft - zwecks Fremdverpflegung vorzunehmen oder ob wir lieber an Bord brutzeln. Wir entscheiden uns für die Fremdverpflegung und machen uns auf den Weg.

Mittlerweile hat die Dämmerung begonnen, der Mond steht auch schon am Himmel. Die ganze Idylle der Hafeneinfachrt ist unwirklich schön.

Der Fußmarsch zieht sich allerdings hin, denn es sind doch einige Meter - entlang an verschiedenen kleinen Vereinshäfen, bis man den Ortseingang erreicht. Versöhnend ist jedoch die Idylle (wenn man mal von der Baustelle absieht, die wohl eine neue Promenade zur Folge haben soll). Denn die gesamte Wegstrecke legen wir auf einem Fußweg durch einen bewaldeten Hang zurück - es kommt also eher einem Spaziergang durchs Gründe gleich.

Der nette Spaziergang ist allerdings alles, was uns von diesem Abend in Neustadt bleibt. Denn mit dem "Auswärts Essen" wird es nichts, entweder ist Ruhetag oder die Küche schon zu. Also machen wir uns ungegessener Dinge wieder auf den Weg zurück und Ralf zaubert uns etwastraumhaft bodenständiges:


Mondsichel über den Vereinshäfen in Neustadt

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Sechster Tag (Mittwoch, 20.10.2004)
Weiter durch die Neustädter Bucht

 

Mittwoch - der Törn neigt sich schon fast dem Ende. Aber jetzt, wo wir schon hier sind (und immerhin noch drei Tage haben) sollte der Schlag rüber nach Travemünde auch kein Thema mehr sein.

Also: Vorbei an der schon gestern besehenen

Da der Wind nun Richtung Südost gedreht hat geht das Ganze bedauerlicher Weise nur noch auf der Kreuz. Der Schlag von dem wir angenommen hatten, dass er nur 2 1/2 Stunden dauern würde zieht sich also hin. Am Ende wird es sogar früher Nachmittag, bis wir endlich in die Trave einmünden.

Wer meine Törnberichte bis hirher verfolgt hat, weiß, dass wir in der Regel die kleinen, beschaulicheren Häfen bevorzugen. Jetzt aber sieht man schon in der Detailkarte, dass wir hier in der Travemündung mit einem großen, breiten Fahrwasser zu tun haben werden - in dem auch noch mit Verkehr zu rechnen ist ;-)

Erstaunlich ist (vielleicht kommt es uns auch nur wegen der Wetterbedingungen so vor) wie lang' sich die Anfahrt von der Ansteuerungstonne bis zum ersten Hafenbecken hinzieht.


Die Travemündung: Gleich zu Beginn liegt backbord die legendäre Passat, eine von x Viermastbarken, die von der Reederei yyy gebaut wurde um Waren über Atlantik und Pazifik zu befördern. Ihr Schwesterschiff ist jedoch vor Cap Hoorn im xxx gesunken.

Wir nutzen die Gunst der Stunde (es ist wie gesagt früher Nachmittag) um im Passathafen (gleich hinter dem imposanten Segler) festzumachen. Vielleicht kann man das Schiff ja besichtigen.

Aus der Besichtigung wird zwar leider nichts, denn außerhalb der Saison findet die nur nach Voranmeldung und für Gruppen statt. Trotzdem ist es schon ein beeindruckendes Bild, direkt vor diesem Rieseteil auf und ab zu gehen.

Da wo andere Schiffe Tampen aus Nylon haben ist dieses Schiff mit Stahlseilen festgemacht.

Richtig deutlich wird die Dimension der Bark, wenn man sie im Vergleich zum Hochhaus auf der anderen Seite der Trave betrachtet.

           

Drei Jungs auf dem Weg zum Staunen:


Anschließend geht es weiter, die Trave flussaufwärts. Denn im Passathafen wollen wir nicht liegen bleiben. Die Stadt Travemünde lässt sich von hier aus nur mit der Fähre besuchen. Die zwar fast ununterbrochen die Trave überquert aber dennoch eine unnötige Verlängerung unseres allabendlichen Landganges bedeuten würde. So machen wir uns also auf den Weg.

An der Steuerbordseite liegt die Voderreihe, die für den Besucher wohl best-ausgerüstete Uferseite, hier liegt ein Restaurant neben dem anderen (übrigens wohl die einzige "Vorderreihe", die eine eigene Website hat: http://www.travemuende-vorderreihe.de)

Eine gute Maile stromaufwärts machen wir fest, nur um festzustellen, dass wir hier keinen offiziellen Hafen erwischt haben. Ich mache mich also auf den Weg, um den Hafenmeister zu suchen. Nachdem ich am Hafenmeistergebäude die Telefonnummern ausprobiert habe, erhalten wir die Zuweisung eines Liegeplatzes im Fischereihafen - an den eigentlichen Vereinsliegeplätzen.

Wir machen fest und leiten das allabendliche "Hallo-Schatz-ich-bin-wieder-heil-an-Land-Telefonat" abzusetzen.

Der Steg, der den Hafen von der Trave trennt, erlaubt uns einen herrlichen Ausblick (wenn das Wetter etwas besser wäre), Richtung Lübeck - was natürlich von hier noch nicht zu sehen ist. Dafür fallen direkt die dicken Fähren in's Auge, die von hier Richtung Skandinavien ablegen.

Diese Pötte bestimmen, zumindest im Uferbereich, regelrecht das Stadtbild. Je nach Perspektive hat man das Gefühl, dass sie entweder Bestandteil des Straßenverkerhs oder der Uferbebauung sind.

         

Zumindest ebenso integriert, wie das "Federvieh" dass durch die zahlreichen einlaufenden Fischerboote angelockt wird. Die Tatsache, dass der Fisch direkt im Hafen seinen Weg zum Endverbraucher findet trägt nicht minder dazu bei, dass die Möven sich hier ihre Wahlheimat gesucht haben.

Wo wir gerade so nett vom Essen plaudern: Die bewährte Frage "wo würden Sie denn Essen gehen" an einen Einheimischen - in unserem Fall der Hafenmeister - führt wieder zum gewünschten Ergebnis: Ein erstklassiger Tip. Die Antwort lautete: Im Alten Bahnhof. Entgegen der klassischen Erwartung des Touri's, die Lokalität in Ufernähe zu finden müssen einen kleinen Fußmarsch durch die Stadt auf uns nehmen. Am Ausgang des "Hirtengangs" fällt uns das alte Bahnhofsgebäude gleich ins Auge:

Ralf fühlt sich direkt zum Koch hingezogen. Quizfrage: Liegt es an den inneren oder den äußeren Gemeinsamkeiten?

Die Überraschung trifft uns allerdings, nachdem wir die gemütliche Bahnhofshalle betreten: Nix mit Fisch in Norddeutschland. Nein! Wir sind ausgerechnet hier, wenn die "bayrischen Wochen" gegeben werden. Die ansonsten urgemütliche und bis ins Detail sehr liebevoll mit Bahnhofszitaten geschmückte Einrichtung wird von Blau-Weißen Wimpeln dominiert. Die Speisekarte sind entsprechend Deftiges vor und an Weißbier wird es uns wohl heute Abend auch nicht mangeln.

Bleibt die Frage: Was ist man denn in so einem Fall? Nun, die Antwort liegt auf der Hand: Wenn schon, denn schon: "a Haxen, ja moi'"!

 

 


     

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Siebter Tag (Donnerstag, 21.10.2004)
Rauschefahrt nach Hause - Weiße Ostsee
 

Zeitig soll es los gehen. Also lassen wir heute unserem Frühaufsteher keinen Vorsprung. Zunächst hetzen wir hinter dem  lieben Ralf erst einmal zum Hafenmeister, weil dort Waschgelegenheiten sind. So schön unser Liegeplatz hier auch war, spätestens jetzt macht sich der unangenehm lange Fußweg über die Steganlage bemerkbar. Insbesondere, da es kalt und nieselig ist.

Richtung Festland müssen wir an den Festmachern der Fischer vorbei. Auch wenn wir glauben, früh aufgestanden zu sein: Für andere ist die erste Schicht bereits gelaufen. Die Fischer haben längst ihren Fang entladen und auf den Verkaufsständen platziert.

Etliche Kunden parken unmittelbar davor und kaufen den frischen Fisch -frischer geht's wohl nicht mehr. Gleich gegenüber der geparkten Autos "parkt" die hiesige "Fischereiflotte":

Auf dem Rückweg zum Schiff muss dann aber doch noch ein Foto gemacht werden: Die Trave, die flussaufwärts nahezu im Nebel verschwindet, sieht genau an dieser Biegung bezaubernd aus. Da stören auch kaum noch die großen Pötte.

Jetzt noch nach dem Wetter sehen: Das Navtex verspricht uns Wind für die Westliche Ostsee von 6 Bft. aus Süd bis Südwest. OK, ok, die Starkwindwarnung für Fehmarn von 9 Bft. stand ganz am Anfang, da aber die Vorhersage auch mitteilte, dass der Wind abnehmen sollte, haben wir uns gesagt: Das wird eine zügige, aber ruhige Rückfahrt.

Also heißt es nur noch "Leinen los". Auf dem Weg "nach draußen" dürfen wir noch einmal das Hotel Maritim in seiner wahren Größe bestaunen (ok - ich gebe zu, da steckte schon ein wenig Ironie mit drin).

Die Passat die wir im Licht der Vormittagssonne zu Gesicht bekommen, gefällt uns allerdings auch viel besser.

Ein Blick zurück zeigt uns beeindruckend noch einmal die gefällige Uferbebauung der bekannten Vorderreihe. Hier sieht die Welt einfach noch in Ordnung aus:

Während wir das Ende des Fahrwassers erreichen, kommt uns noch ein dicker Pott entgegen. Seine Größe wird besonders deutlich, wenn man ihn mal mit dem Leuchtturm an der Mündung vergleicht:

So wollen wir dann die Trave in Erinnerung behalten - bis zum nächsten Mal: Der Passathafen und viel Schönes weiter in das Land hinein.

Übrigens - danke an Volker, für Deinen Eintrag in unserem Gästebuch und den Hinweis in Bezug auf die Entfernung von der Trave-Mündung bis nach Lübeck. Das macht Mut, beim nächsten Mal die Trave weiter aufwärts zu fahren und Lübeck einen Besuch abzustatten.

 

So ruhig und beschaulich der Tag auch begonnen hat, so spannend soll er allerdings noch werden, wenn wir auf die Ostsee hinauskommen. Ein Blick über unsere Köpfe zurück zeigt uns einen finster drein schauenden Himmel.

Voraus sieht es eigentlich noch gut aus. Wir legen trotzdem schon mal ein Reff ein und halten uns gut vor dem Wind, der uns raumschots von backbord treibt. Er nimmt deutlich zu, mittlerweile liegen wir bei 6 Bft. Es ist sicherlich kein Problem, denn der Wetterbericht hat uns 6 Windstärken vorausgesagt, viel mehr kann es dann ja wohl nicht werden.

Aber das bleibt längst nicht alles: Im Laufe der nächsten Stunde steigt die Windgeschwindigkeit immer weiter an bis sie sich bei ca. 30 Knoten einpegelt. War wohl nichts, mit 5 Windstärken. Selbstverständlich haben wir bereits im Groß das zweite Reff eingelegt und die Fock ein gutes Drittel weggerollt (was wohl weniger als der Hälfte Segelfläche entspricht). Denn wir werden wohl weiter segeln. Umdrehen hat keinen Sinn mehr, denn gegen diesen Wind anzuknüppeln, nur um wieder in Travemünde zu sein ist weitaus mühseliger als vor dem Wind nach Hause zu fahren.

Am Ende jagen wir in Spitzen von 8-9 Bft. über das Wasser. Die kleine Omega kann - was auch immer wir tun - gar nicht mehr langsamer als 8-9 Knoten fahren. Das ist weit über der Rumpfgeschwindigkeit. Eine gute 3/4 Stunde bewegen wir uns sogar bei 10-11 Knoten. Jede zweite Welle wird "gesurft": ein tolles Gefühl. Unsere Spitzengeschwindigkeit erreichen wir mit einer Welle, die uns bestimmt eine halbe Minute lang auf dem Kamm trägt: Der Ruderdruck ist weg, mit viel Feingefühl muss die Omega in der Spur gehalten werden und man spürt im ganzen Schiff "das Rauschen" des Wassers, dass die brechende Welle unter dem Rumpf erzeugt. Das GPS zeigt uns mehr als 12 Knoten Fahrt über Grund!

Trotzdem allem ist die Anspannung groß. So weiß habe ich die Ostsee noch nie gesehen - klar: Manche Profis sind da sicher noch anderes gewohnt. Aber für uns war das schon ein ordentliches Paket. Insgesamt ist die Wettersituation für mich unerklärlich: Vor uns blauer Himmel ohne jede Wolke und eine ruhige Wasseroberfläche mit ein paar weißen Krönchen. Der Blick zurück zeigt eine unruhige See, zwar ohne Hohe Wellen aber mit jeder Menge weißer Schaumkronen und einem finsteren Himmel. Ich habe ein mulmiges Gefühl im Bauch und bin froh, wenn wir heil zu Hause sind. Zum Glück passt der Wind.

Die zwei Meter Welle rollt weiterhgin achterlich ein und da unser Kurs hinter der Lübecker Bucht nur noch unter Land verläuft kann sich keine größere Welle aufbauen. In dieser Beziehung macht das Segeln zumindest Spaß: Kein "Gegenan Geknüppel".

An der Wettersituation ändert sich nichts mehr. Wir jagen nach Fehmarn. Die Windrichtung macht uns die Ansteuerung einfach und schließlich machen wir in Recordzeit auf Fehmarn fest: Nach guten 4 Stunden rechnen wir für uns einen Schnitt von 8 Knoten Geschwindigkeit aus. Und wer uns unser Seemannsgarn nicht glaubt: Hier noch mal die Tagesspitze (Fahrt durchs Wasser), die uns die Logge zeigt:

 


Gestresst, aber glücklich, machen wir uns auf den Weg nach Burg auf Fehmarn. Wir kehren in einem netten Kaffee ein und genießen die trockene, warme Stube.

Denn ab morgen wartet nur noch Arbeit auf uns: Der Freitag soll genutzt werden, um die Omega abzuriggen und auf's Winterlager vorzubereiten.

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Achter Tag (Freitag, 22.10.2004)
Einpacken
 

Von diesem Tag gibt es eigentlich nicht mehr sehr viel zu erzählen:
- Wir bergen die Segel
- Riggen ab, zumindest so weit es geht
- Stagen und Wanten werden schon mal von Splinten befreit)
- bereiten alles vor, damit am kommenden Morgen gekrant werden kann
- Reinigen die Bilge
- Füllen den Tank noch einmal auf, damit sich im Winterlager kein Kondenswasser bildet
- bringen die Segel zum Segelmacher und weisen auf ein paar fällige Reparturarbeiten hin
- und dann kommt das Wichtigste:

Wir gehen "Spare Rips" futtern - in Burgstaaken. Tipp von unserem Vercharterer Jürgen!
 

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Gemerktes

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Hafengebühren (für die 9,80m lange Omega inklusive Strom):
- Heiligenhafen: 14 Euro
- Grömitz: 16 Euro
- Neustadt Vereinshafen (Seeburg?): 10 Euro
- Travemünde: 14 Euro zzgl. Kurtaxe (1 bis 2,60 pro Nase je nach Saison!).
 

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Die Restaurantpreise - selbst in Burg auf Fehmarn - sind nach meiner Ansicht gesunken. So reagieren die Besitzer wohl auf die Folgen unserer gebeutelten Kaufkraft. Man muss nicht mehr lange suchen, um eine leckere Mahlzeit auch deutlich unter der 10-Euro-Grenze zu bekommen. Und das selbst bei Fischgerichten.
 

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Frischen Fisch bekommt man, selbst zu dieser Jahreszeit, morgens direkt vom Kutter im Fischereihafen von Travemünde. Haben wir zwar noch nicht getestet, steht aber schon auf meiner ToDo-Liste für das nächste Jahr!
 

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Travemünde habe ich mit Sicherheit nicht zum letzten Mal besucht. Jedem, der die Ostsee besegelt und Häfen mit Atmosphäre sucht, würde ich unseren Kurztrip durch die Neustädter Bucht empfehlen.
 

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Unsere Restauranttipps für die nächsten Törns:
- Grömitz: Klabautermann, direkt an der Promenade. Leckerer Fisch zu fairen Preisen.
- Neustadt: Alter Bahnhof, Insider-Tipp. Gutbürgerliche Küche in "Nicht-Maritimer" Bahnhofs-Museums-Atmosphäre (sehr liebevoll gestaltet!)
- Fehmarn/Burgstaaken: Lotsenhus. Die besten Spare-Ribs weit und breit. Vorbestellen ist sowohl wegen dem Tisch also auch wegen der Spare-Ribs empfehlenswert.

 

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Bildschirmhintergründe
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Wieder zu Hause


Dämmerung im Neustädter Vereinshafen


Zwischen Grömitz und der Neustädter Bucht

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Stand: 02.07.05