September 2004

 

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Septembertörn 2004
Statt Arnis nach Osten

Wieder einmal machen wir uns auf den Weg, wenn andere bereits Ihr Segelzeug an den Haken gehängt haben - was wir noch in Dänemark zu spüren bekommen werden (s.u.).

Doch fangen wir von vorne an: Eine Woche Zeit! Ursprünglich wollten wir nach Westen, also die Schlei sehen, über Eckernförde in die Dänische Südsee und nördlich von Aero wieder zurück nach Fehmarn. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt: Der Wind hat uns keine Wahl gelassen. Ein beständiger überdeutlicher West mit bis zu 6 Bft. machte uns klar: Es geht nach Osten. Genaueres über die Route erfahrt Ihr weiter unten.

Zunächst mal zur Crew. Mit dabei waren dieses mal:


Toni - "Seeadler-Auge"
 

Matthias - Der Jollenking
 

Matthias "Schwabe"
unser Wellenabreiter

Und der Skipper Ralf
 

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Erster Tag (Samstag, 25.09.2004)
Anfahrt und Manöver üben.
 

Da wir ja aus unseren früheren Törns viel gelernt haben reisen wir dieses Mal früh an und nutzen gleich den ersten Tag für ausführliche Manöverübungen.

Schnell ein Reff einlegen muss schließlich in diese Jahreszeit auch von der Crew beherrscht werden. Das Wetter tut sein Bestes, um uns dabei zu unterstützen: Mit 5-6 Bft aus West können wir prima unseren guten Vorsatz vor dem Hafen von Burgtiefe in die Tat umsetzen.

Da wir alle äußerst eingespannt waren gibt es hier auch keine Bilde - schade aber auch.


"Schwabe" und Toni beim Frühstück im VW-Bus während der Anreise.
 

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Zweiter Tag (Sonntag, 26.09.2004)
Auf nach Osten: Wismar wartet auf uns.
 

Nach einem gemütlichen Frühstück widmen wir uns der Tages- und Törnplanung.

Getreu dem Leitsatz: Ein Klönschnak am Steg ist immer eine gute Ergänzung zum Wetterbericht rede ich mit Jürgen, einem Skipper vor Ort. Er hält unsere Idee, nach Westen zu segeln für nicht sehr sinnvoll. Schon allein im Fehmarnsund wird uns die Düse zurückdrücken. Und überhaupt: Für die nächsten Tage ist ein beständiger Westwind angesagt, da können wir uns doch besser nach Osten orientieren.

Gesagt getan: Entscheiden wir uns also für einen Osttörn. Den wollen wir mit Wismar beginnen und später rund Lolland segeln (Durch den Guldborgsund kommt man ohnehin nur mit einem Schiff mit wenig Tiefgang, also warum die Gelegenheit nicht auch nutzen): Leinen los! und auf nach Wismar.
Wir waren nicht die einzigen mit der Idee, Fehmarn zu verlassen:

Am Horizont lassen wir dann noch die Fehmarnsundbrücke hinter uns:

 

 

 

 


Danach geht's dann auch schon zur Sache: Mit guten 5 Bft. an Steuerbord raumschots schiebt es uns in Richtung Wismar.

Matthias I und Matthias II haben ihren Spaß!


Gut gelaunt nähern sich so vier motivierte Segler Richtung Wismar.
 
 


Die Küste vor Wismar zeigt uns im Licht der Abendsonne noch einmal die Schönheit der Schöpfung.
Der Blick voraus - in Richtung Wismar - zeigt uns den Gegensatz der Zivilisation:

 
Die Anfahrt Wismar zeigt sich dann als - bereits bekannt - harmlos. Wir machen uns auf den Weg in den kleinen einfachen aber netten Jachthafen im hinteren "linken Viertel". Vorteil: Direkt am Toilettenhäuschen und nur wenige Schritte bis zur wirklich sehenswerten Altstadt.
 


Ein Fischer auf dem Heimweg


Der "Seehafen Wismar" kündigt sich an.


Letzte Grüße der ehemaligen DDR ...


... und weitere "Überbleibsel".


Monumental! Unschwer zu erraten, in welcher RIchtung die Altstadt liegen wird.


Die Ansteuerung Wismar ist für Einsteiger navigatorisch immer wieder ein Erlebnis: Keine gefährliche Herausforderung, sondern unentwegt interessant. Eine Tonne jagt die nächste, um es mal so flappsig auszudrücken. Und das über 11 sm. Da macht Segeln und navigieren wirklich Spaß.

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Dritter Tag (Montag, 27.9.2004)
Von Wismar nach Kühlungsborn.

 

Bevor es losgeht, wird noch die obligatorische "Logbuchpflege" vorgenommen
 


Während der Hafenausfahrt scheuchen wir noch ein paar pausierende "Winterzügler" auf.

Wer die Vogelmenge mal in voller Breite erleben will, kann das nachfolgende Bild mal horizontal hin- und herbewegen:


Im Hintergrund verschwindet Wismar langsam. Also wie man so schön sagt:
Auf zu neuen Ufern!

 


"Wie steht denn der Verklicker?" lautete unsere andauernde Frage. Die starken Wellen, die uns von achtern immer wieder "unterrollten" führten doch zu einem dramatischen Wackeln des Schiffs und damit des Riggs.

Mit 6 Bft. raumschots haben wir uns nach Nordosten schieben lassen. Die Windrichtung passte perfekt zu unserem gewünschten Kurs. Eigentlich hätte man ja auch noch weiterfahren können, bis Warnemünde. Aber bedingt durch die andauernde Konzentration und die doch zugenommene Kreuzsee hat es uns gereicht. Gemäß unserem Plan, um morgen nach Nysted hinübersegeln zu können, spielte es eh' keine große Rolle, ob wir in Kühlungsborn oder in Warnemünde festmachten.


Nachdem wir in Kühlungsborn festgemacht haben, machen wir uns auf die Runde, den Ort zu besichtigen. Entlang an der Strandpromenade nähern wir uns dem "Zentrum" des Badeortes. Erstaunlich: (fast) alles sieht aus wie aus dem Ei gepellt, seien es die Fassaden oder das Kopfsteinpflaster der Straßen, der schick angelegte Kreisverkehr oder die Ferienwohnungen.


Um so weniger bleibt jedoch der Eindruck einer gewachsenen Stadt. Es wirkt alles nett und adrett für den zweiwöchigen Badegast angelegt. Alle zehn Minuten begegnet uns der kleine Besichtigungstour-Zug, der sich wohl regelmäßig über die Hauptstraße vor und zurück bewegt. Frage: Was gibt es denn hier wohl noch zu sehen?


Hier sieht es wirklich nach Urlaub aus - allerdings finden wir in dieser ungemütlichen Jahreszeit nur zwei Gäste, die es sich in einem der Strandkörbe gemütlich machen.

Mehr los ist auf dem hunderte Meter weit in die Ostsee ragenden Anleger.

 

 

Trotz aller elegant aufbereiteten Anlagen findet man noch das eine oder andere Gebäude, das sich über eine Renovierung freuen würde. Diese Bauwerke befinden sich jedoch deutlich in der Minderheit.
 
Am Ende des Tages versorgt uns unser "Dauer-Smutje" Matthias wieder bestens mit einem seiner Geheimrezepte.

Zuvor noch ein kritischer Blick: Sind die - im Backofen gegrillten - Kartoffeln auch wirklich gelungen?



Gemeinsam genießen wir den ausklingenden Abend eines herrlich, sportlich, anstrengenden Tages.

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Vierter Tag (Dienstag, 28.9.2004)
Quer rüber - nur nach Kompass!

 

Am dritten Tag sollte es nun endlich hinüber in die dänische Südsee gehen. Bedauerlicher Weise begrüßte uns typisch deutsches Nieselwetter. Immerhin hielt der Westwind an, den wir zu diesem Zweck wirklich gut gebrauchen können.

Der Kartenausschnitt rechts zeigt einigermaßen gut, dass wir bei unserem Vorhaben zwei Schifffahrtsstraßen kreuzen werden: Den Lübeck-Gedser-Weg und den Kiel-Ostsee-Weg (Weg-T). Auf beiden Wegen würden wir eine Fahrwasser-Mittentonne passieren, so dass wir durch Peilung unsere Route kontrollieren können.

Um die zu erwartende Abdrift zu kompensieren, haben wir uns anstelle des KaK von 12° für einen eindeutigen Nordkurs entschieden.

Spannend wurde es allerdings, nachdem durch den Nieselregen die Sicht so schlecht wurde, dass es fraglich war, ob die Tonnen noch zu sehen wären. Die erste Tonne passierten wir dann auch mit 4 sm Abstand, die Position haben wir nur mit Hilfe des GPS gescheckt (zugegeben: ein wenig feige ;-). Die zweite Tonne haben wir gesehen und dadurch die Bestätigung erhalten, dass unser Kurs passt.

Nach dem Queren der Ostsee erreichen wir bei dieser Ansteuerung einen riesigen dänischen Windpark (siehe den zweiten Kartenausschnitt, dort befinden sich 72 Punkte in einem Rechteck).

Der Windpark taucht allerdings extrem spät aus dem diesigen Nebel auf. Von der Stelle, an dem wir die hohen Windmühlen das erste Mal sehen können bis zum Erreichen der ersten Windmühle legen wir 3 sm zurück - furchtbar schwache Sicht.

Da ich hier schon einmal war (siehe Pfingsttörn 2004) weiß ich, dass gleich die Tonnensucherei beginnen wird - in einem von Untiefen durchzogenen Gebiet. Und das bei dieser schlechten Sicht - Au weia.


Ein Blick nach hinten zeigt die auslaufenden Wellen des achterlichen abklingenden Windes. Mittlerweile ist der Wind auf 1 Bft herunter und wir müssen die Maschine einschalten.

Der Blick nach vorn ist anstrengend, denn die Untiefentonnen, die wir suchen sollen, verstecken sich im Dunst des Nieselregens - wo soll man hier auch was deutlich erkennen können?

 
Die Betonnung, die anfangs eher spärlich ist, steigert sich erfreulicher Weise bis in die Bucht und den Hafen von Nysted, so dass es für uns zunehmend einfacher wird.

Endlich können wir im Hafen festmachen.

Nach unserem obligatorischen "Anleger" machen wir uns auf den Weg, den Ort zu erkunden.

Nachfolgende Bilder laden zu einem Spaziergang mit uns ein - in eine fast unwirkliche Welt: Ein Ort, der unheimlich viel Ruhe und Muße ausstrahlt. Liegt das vielleicht daran, dass die Saison hier bereits zu Ende ist? Die Türen aller Restaurants sind verschlossen, hier und da weisen Schilder darauf hin, dass wir im März nächsten Jahres wieder vorbei schauen dürfen. Bis dahin bedankt man sich für die Saison und wünscht uns einen schönen Winter.


Das WC_Häuschen im Hafen
 

Der Fußweg vom Hafen zur Stadt
 

Das Hafenrestaurant mit fein eingedeckten Tischen - aber geschlossen. Ist hier schon für die nächste Saison gedeckt?
 

Der Hafen in der Dämmerung mit dem beleuchteten Schloß Anholt im Hintergrund.

 
Die verträumte Bucht von Nysted strahlt nicht nur auf diesem Foto eine solche Ruhe aus. Hier kann man sich wirklich hinsetzen und "die Seele baumeln lassen".

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Fünfter Tag (Mittwoch, 29.9.2004)
Und wieder kommt es anders: Doppeltes Abhängen

 

Der Tag fängt ruhig an. Ein Blick nach draußen sagt alles: heute morgen wird erst einmal noch nicht gesegelt. Der Wind ist restlos eingeschlafen. Schlagende Wellen, die gestern Nacht noch unseren Jollen-Matthias am Einschlafen gehindert haben, hätten wir jetzt sehr gerne gehört - ist aber nicht. Nun gut, wir hatten ohnehin vor, das sagenhafte Automobilmuseum zu besuchen.

Also auf zur Touri-Information, dort wird uns mitgeteilt, dass das Museum in der Nebensaison nur noch an Wochenenden geöffnet hat. Also auch nichts. OK - also lassen wir es langsam angehen, frühstücken, duschen, klüngeln, quatschen ... irgendwann ist es 10:30 und wir merken: Der Wind legt zu.

Also geben wir ihm eine Chance und machen uns auf den Weg. Unser Ziel: Der Guldborg Sund mit einem ersten Stop in Nysted. Wenn es der Tag noch erlaubt, wollen wir von da aus nach Guldborg weiter, um morgen früh dann Lolland zu runden.

Gedacht, getan: Maschine an, raus aus der Box und noch im Fahrwasser Segel setzen, los geht's. Der Wind frischt auf und bei einer guten 4 sind wir schon auf dem Weg.

Die Überraschung folgt auf dem Fuße: Aus der 4 wird eine 5, eine 6 und bei 28 Knoten entscheiden wir uns endgültig, zu reffen. Gut so! Unser Schwabe schafft es trotzdem auf einem Wellenkamm eine 7.4 aus unserem gemütlichen Rumpf heraus zu surfen - gut gemacht alter Knabe.

Der Wind hat mittlerweile auf Nord gedreht und "düst" regelrecht aus dem Sund auf uns zu.
 


Da wir somit nur noch die Chance haben mit Maschine gegen Wind und Gischt anzuknüppeln und wir zudem  nicht wissen, wie es wohl morgen und übermorgen weitergehen soll kneifen wir. Fahren also durch zur Gedser Marina um dort einen Stopp einzulegen. Wir wollen sehen, ob der Wind wieder abklingt - ist aber nicht.

Nun gut, dann verbringen wir den Rest des Tages eben so wie er angefangen hat: Klüngelig! Ein ausgiebiger Stadtbummel zeigt uns, dass auch hier mittlerweile alle Bürgersteige für den Winterschlaf hochgeklappt wurden. Fisch, den wir so gerne gekauft und gebruzzelt hätten bekommen wir auch nirgendwo - was machen denn die Fischer hier im Winter?


Der Seenotrettungskreuzer im Fährhafen von Gedser



Festgemacht und erst einmal alle durchgeweichten Kleidungsstücke an die frische Luft verfrachtet.
 

Auf unserem Stadtbummel kommen wir dann zuerst einmal an einem Eisenbahnfriedhof - oder besser "Realo"-Museum vorbei

Für unseren "Hardware"-Freak Toni natürlich ein Leckerbissen der Mechanik. Enttäuscht kommt er wieder und teilt uns mit, dass schon jemand die Maschine ausgebaut hat.
 

Der Fährhafen von Gedser.
Die Fähre dominiert alles, was wir danach noch sehen werden. Über allen Hausdächern taucht immer wieder das "aufgerissene Maul" des Dampfers auf.



Wer Lust hat, kann mit dem horizontalen Scrollbalken einen Rundblick wagen
 






 


Den krönenden Abschluss bildet dann das "Bauernfrühstück spezial" unseres Smutjes - ein Hoch auf Matthias.
 
Der Tag endet schließlich mit einem viel versprechenden Abendrot (s. auch Bonusmaterial). Hoffen wir also das Beste für das morgige Wetter.

Das Barometer ist gestiegen und der andämmernde Nachthimmel klart auf.

Die Wettervorhersage macht uns Hoffnung auf einen Nord-Ost-Wind. so dass wir guter Dinge in's Bett, respektive in die Koje gehen, im guten Glauben daran, morgen prima durchzuziehen Richtung Heiligenhafen. Denn unseren Traum von Rund Lolland haben wir für diesen Törn erst einmal begraben.

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Sechster Tag (Donnerstag, 30.9.2004)
Wir knüppeln zurück - im Riesenschritt nach Heiligenhafen.

 

Nach einer (endlich) mal ruhigen Nacht (kein Schlagen gegen die Bordwand, kein Klappern von Fallen im Hafen, kein Rauschen in den Oberwanten), stehen wir erholt auf.
Nach unseren - mittlerweile üblich ausgiebigen - Frühstück machen wir los und verlassen den Hafen Gedser Marina.

Auch wenn im Ort nicht mehr viel los war, so ist die Atmosphäre des Hafens doch sehr gemütlich. Alles sauber und adrett. Sogar ein Internetterminal im Fenster des Hafenmeisters mit den aktuellen Wetterverhältnissen.
Aus meiner Sicht ein idealer Ausgangspunkt für eine Fahrt nach Norden, wenn man von Rostock oder Warnemünde hier herüberkommt.

Ich war bestimmt nicht zum letzten Male hier.

Wir verlassen den Hafen durch das enge Fahrwasser Richtung Fährhafen an der Südspitze von Falster. Die entgegenscheinende Morgensonne blendet derart, dass wir eine grüne Fahrwassertonne übersehen und auf die nächste Zuhalten. Ein übler Fehler, denn das war eine Tonne des Fahrwassers des Fährhafens. Den Fehler büssen wir mit einem deutlichen Stopper - wir sitzen auf Grund. Zum Glück nur Sand oder Kies so wie es sich angehört hat. Schlimmstenfalls hat es uns das Antifouling am Kiel gekostet - Gott sei Dank!

Trotzdem hängen wir jetzt hier fest. Was tun? Alle Mann (bis auf den Steuermann) in den Großbaum und den Baum raushängen. Auf diese Weise bemühen wir uns um Krängung im Schiff, damit der Kiel seitlich angehoben wird. Jetzt Rückwärts-Gas: Bringt aber nichts. Erst als wir mit voller Kraft und eingeschlagenem Ruder Richtung Fahrwasser vorwärts fahren, kommen wir frei - Immerhin kein Schleppen nötig. Heute Abend wird uns unser Abkürzer "Schwabe" einen "Aufsitzer" spendieren.

Nach diesem kleinen Abenteuer brauche ich keinem Crewmitglied mehr zu erklären, dass wir die Tonnen in der Ostsee ernst nehmen sollen.

Die Sonne versöhnt uns wieder mit unserem Schicksal und wir setzen unseren Weg strahlend (wenn auch mit immer noch einem mulmigen Gefühl und schlechten Gewissen im Bauch) fort.


Ein herrlicher Blick über die Ostsee in Richtung Mecklenburgischer Küste. Der klare Himmel erlaubt eine Blick von Dänemark bis Deutschland. Life ist der noch viel toller als man es in Fotos einfangen kann.

Der Blick zurück fällt auf den Windpark den wir noch zwei Tage zuvor nur in einem "letzten Augenblick" von 3 sm aus dem Dunst vor uns auftauchen sahen:

Mit fortschreitendem Tag verlässt uns dann leider der Wind. Bei nur noch 3 Windstärken und einer Fahrt von weniger als 4 Knoten entscheiden wir uns dann den Blister zu setzen. Bei einem Halb- bis Amwind-Kurs eine verzweifelte Rettungsaktion, um das einschalten der Maschine zu vermeiden:
 



Der Blister beschert uns jedoch - wie erwartet - nur ein sehr kurzes Vergnügen: Immer wenn wir etwas mehr an den Wind heranmüssen, um unseren Kurs zu halten, fällt er wieder ein. Ein Spi müsste her - ist aber nicht da! Also nach einigem Gezappel entscheiden wir uns den Blister wieder runterzunehmen. Setzen erneut die Genua. Bäumen sie aus. Und siehe da, es geht einiger Maßen.

Nichts desto trotz wird der Wind immer schwächer. Was dazu führt, dass wir nach einer Stunde doch endlich die Maschine bemühen müssen, wenn wir heute noch wie geplant Heiligenhafen erreichen wollen.

Nach etlichen Stunden passieren wir die südöstliche Spitze von Fehmarn mit dem Leuchtturm Staberhuk...

 


... um dann mit einem Blick nach vorn die Fehmarnsundbrücke auftauchen zu sehen:

 


Zwischendurch sei uns ein geografischer Blick gestattet:

Unsere Reiseroute des Tages sieht wie folgt aus. Deutlich unser windbedingter "Abknicker" im Nordwesten. Durch den totalen Windausfall haben wir unser Vorhaben um Fehmarn herum nach Heiligenhafen zu steuern gekippt.


 
Die Durchfahrt unter der Brücke ist immer wieder ein Erlebnis: Man sieht nach oben und fragt sich ob der Mast wirklich unten durch passt. Aber, oh Wunder, es geht immer wieder;-)
 

Nach der Brücke dauert es auch nicht mehr lange, um die Richtung nach Heiligenhafen einzuschlagen. Aus Richtung Heiligenhafen kommt uns ein edel ausgestatteter Segler mit Kevlarsegeln entgegen.

Navigatorisch ist hier äußerste Vorsicht geboten. Bei der Ansteuerung hilft jedoch die östliche Untiefentonne.,

Toni hält Ausguck. Backbord voraus sieht man am Horizont das Haff, auf dem vereinzelt und verträumt einige Häuser stehen.

 

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Siebter Tag (Freitag, 1.10.2004)
Alles hat ein Ende ...

 

Nach einem ruhigen und ausgedehnten (Wind fehlte!) Frühstück machen wir uns notgedrungen auf den Heimweg Richtung Burgtiefe.

Ein letzter Blick zurück lässt uns die Masten des Sport- und Charterhafens hinter dem Haff erkennen.

Voraus verfolgen wir den Ausflugssegler Marco Polo. Ein kritischer Blick auf Segel und Rumpf lässt ihn schon eher als "Seelenverkäufer" erscheinen, der schon bessere Tage gesehen hat.
In jedem Fall wohl eine nette und romantische Alternative mit viel Atmosphäre. Bleibt die Frage: Was kost' der Spass?

 

  

 

 


Der Wind, der mittlerweile wieder zugelegt hat, hilft uns unter Genua mit 4-5 Knoten in die Fahrrinne Burg und Burgstaaken einzulaufen.

Rechts außen deutlich zu erkennen: Die als Landmarke in der Karte verzeichneten drei "Ferienwohnungs-Silos".


Während wir uns dem Hafen nähern begegnen uns noch etliche Skipper aus Sport- und Berufsschifffahrt:
  



Endlich im Hafen angekommen, dürfen/müssen wir noch einige Ehrenrunden im Hafenbecken drehen, da die "Tanke" belegt ist.

Es dauert eine ganze Weile, aber dann kommen wir doch dazu unseren Diesel wieder aufzufüllen. Angenehme Überraschung: Für die ganze Woche, bei der wir immerhin ca. 50 Meilen unter Motor zurück gelegt haben, legen wir nur 23 Euros auf den Tisch.


Am Kran zeigt sich derweil, dass der Winter und das gleichlautende Lager vor der Tür steht:


Zum Abschluss der Reise will unser "Schwabe" noch eine Fotoserie über die seglerische Tätigkeit schiessen, die wir am meisten geübt haben: Das Anlegemanöver. Hier das Ergebnis:

Noch lachen Sie, Kollege!

Tat No. 1:
Jetzt heißt es: Box anvisieren und gegen den Wind reinschieben.



Tat No. 2: Achterleinen über die Heckpfähle.
Tonni hat den Pfahl voll im Griff!


Skipper Ralf tut ebenfalls sein Bestes
auf der Backbordseite.


Tat No. 3: Rückmeldung an den Steuermann: "Noch drei, noch zwei, ein Meter - Stop!"


Tat No. 4: An Land springen und
keine Leine vergessen ;-)


Zum Schluss heißt es dann nur noch:
- Vorleinen belegen
- Achterleinen nachfieren
- und fertig.
Ach ja, das Wichtigste hätte ich beinahe vergessen:
Der Anleger!

Beobachtet wurde unser Manöver von einem wohl eher hungrigen Vertreter der hiesigen Fauna:

                   


Abschließend wird das Schiff nur noch klariert. Zum krönenden Abschluss dieser Reise muss es natürlich noch einmal den traditionellen Fisch geben. Um möglichst zügig nach Hause zu kommen verkneifen wir uns heute die sonst obligatorische Fischhalle in Heiligenhafen. Statt dessen statten wir Orth mal einen Besuch von Land und nicht vom Wasser ab: Der dortige Fischkutter hat immer knackige Fischbrötchen parat, die wir uns nicht entgehen lassen wollen.

 

 


Abschließend kann man (wieder einmal) nur sagen: Viel Erlebt! Die Ostsee hat selbst zu dieser Jahreszeit noch eine Menge zu bieten und das deutsche Wetter ist längst nicht so schlecht wie sein Ruf!

An die Crew noch liebe Grüße und ein herzliches Dankeschön für die super Tage miteinander.

 

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Gemerktes

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Hafengebühren (für die 9,80m lange Omega inklusive Strom):
- Burgtiefe: 12 Euro
- Nysted: 13 Euro
- Gedser Marina: 16 Euro !!!
- Heiligenhafen: 14 Euro.
 

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Dänemark lohnt zu dieser Jahreszeit nur noch für Einsiedler: Restaurants, selbst im Hafen sowie in den Stadtkernen der kleinen Orte sind geschlossen.
 

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Frischen Fisch kann man in Gedser zu dieser Jahreszeit nur noch direkt vom Kutter kaufen, und dazu muss man wissen, wann er einläuft.
 

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Wismar war wieder mal einen Besuch wert. Hier stimmen auch noch immer die Preise und ein Spaziergang durch die Stadt ist auch beim dritten Mal ein Erlebnis.
 

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Bildschirmhintergründe
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Abschalten und Träumen in Gedser Marina


Segler, zeig' mir die Sonne


Wohnen zwischen den Wassern

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Stand: 06.12.04